Die Jalousie ist unten, es ist dunkel, draußen ist’s kalt. Den gestrigen Abend verbrachte ich mit A., M., und Britta im Colibri, bis weit nach Mitternacht.
Götz und M. erzählten lustige Anekdoten über ihren Schüleraustausch in den Staaten, zehn bis dreißig Jahre ist’s her. Die ernstgemeinten (!) Fragen der Amerikaner sind teilweise echt der Kracher. Da steht der Parkplatz voll mit Gefährten der Marken Porsche, Mercedes und BMW – ob es denn in Deutschland Autos gäbe.
Mein Favorit bleibt aber: “Did you drive all the way from Germany?”.
15 Uhr am gestrigen Nachmittag war ich in der Lützowstraße zu einem Vorstellungsgespräch verabredet. Warum ich mich dort beworben hatte, weiß ich selbst nicht so genau. Auf jeden Fall wurde ich eingeladen, deshalb radelte ich rüber.
Als ich hineinlief, erinnerte mich das Ensemble gleich an tv.münchen, nicht gerade der beste erste Eindruck. Zwar viel ordentlicher, aber das Großraumbüro und die Leute, welche dort mehr als minder gelangweilt herumsaßen, weckten nicht so wirklich mein Bedürfnis, oh, bitte, da will ich hin.
Wir nahmen dann den Aufzug ins dritte Obergeschoß, schlenderten am Kicker vorbei nach hinten in den Konferenzraum. Es war ein großer Tisch. Links gegenüber saß das junge Mädel, die Assistentin des Produktonsleiters, welche mich eingeladen hatte, und die Assistentin des aller Chefs, beide, mmh, vielleicht so um die einundzwanzig. Mir gegenüber nahm der Produktionsleiter Platz und rechts der Typ mit meinen Bewerbungsunterlagen in der Hand, der zum Ende des Monats dort aufhört um zu studieren.
Es war also eine a bisserl besondere Konstellation.
Wie dem auch sei, der Typ rechts erzählte über den Job ansich, angefangen bei der wöchentlichen Milchbestellung bis zur Abholung irgendeines Fahrzeuges aus der Werkstatt, Anmietung von Zusatz-Equipment, Ausgabe und Zurücknehmen des firmeneigenen Materials, ich plapperte ein wenig über meinen Werdegang und das war’s. Der “Chef”, welcher hätte sagen können, mit welchem Gehalt die Position entlohnt wird, war nicht da, aber seine Praktikantin Assistentin warf “1.500 bis 2.000 Euro” in den Raum, aha.
Runter nahmen wir die Treppe, ich verabschiedete mich, nahm meine Jacke vom Ständer, raus, auf’s Rad, stürmisch, heim. Neh, neh, neh.
Die beim Fernsehen habe echt keine Ahnung. Weder, was wer macht, noch wie was bezahlt wird. Die denken über Film Bescheid zu wissen, ohne Plan, dass das ‘ne komplett andere Baustelle ist.
Bis in die frühen Morgenstunden lief Skype und ich erhielt die ersten New York Bilder. Die haben sich tatsächlich direkt mal den ersten Tag einen Helicopterflug gegönnt, über Manhattan und die Freiheitsstatue hinweg und es hätte sich wohl auf jeden Fall gelohnt.
Gleich werde ich zur Post laufen, die neun Warensendungen abholen.

