Es war ja klar. Klar war’s, dass das irgendwann passieren würde. Nun ist’s passiert. Und es war so klar. Grutzifix. Ich habe meinen Segufix-Magnetschlüssel verloren.
Ich weiß nicht wieviele Jahre der an meinem Portemonnaie hing, aber sicherlich ‘n Jahrzehnt. Und es war so klar. Weil der Geldbeutel ja auch schon jahrelang hin ist, total ausgefranzt. So dass der Magnet ohnehin lediglich an einem Faden hing. Und es war so klar. Ich wunderte mich eh immer, dass der bislang noch nicht ausgerissen war. Nun ja, jetzt ist’s passiert, vergangene Nacht. Weg is’er.
Es war spät oder auch früh des Morgens, als ich mich auf die Socken machte. Der Club ist hier um die Ecke, keine zehn Minuten Fußweg. Kickern wollte ich. Das tat ich dann auch. 4 Euro Eintritt. Ich holte mir erst ‘mal einen Drink.
Jaja, Alkohol. Früher, also ganz früher, da haute man sich eine halbe Flasche Sierra Tequila rein und wanderte danach ins Clubhaus, Party. Der Morgen danach war wie jeder Morgen, alles fein. – Soll heissen, der Alkohol tat des Abends seine Wirkung, löste Anspannungen, gab einem sozusagen den Mut ungeniert zwischen den großen 11tklässlern herumzuhüpfen, später die Entschuldigung mit irgendeinem Mädel abzustürzen, man hatte Spaß, dachte sich nichts dabei, und in der Früh setzte man das eine Bein vor das andere, als wär’s am Abend davor ein Orangensaft-Schorle gewesen.
Heute bzw. eigentlich schon viele, viele Jahre, ist das anders. Eventuell mag dies damit zusammenhängen, dass man nicht mehr jedes Wochenende säuft und hacke ist, tatsächlich eigentlich nie, und man schon von daher nichts mehr gewöhnt ist und sich deshalb bisweilen ein oft größerer als kleinerer Kater einschleicht.
Ich könnt’s nun nicht beschwören, aber ich schätze, dass es, bis ich loszug, bereits eine halbe Flasche Jim Beam war. Yep. Das heisst, in der Theorie, weil ich ja nie was trinke, schon seit 13 Jahren nicht mehr, gelegentlich halt, müsste das voll einschlagen. Tut es nicht, tat es nicht, wie seit 13 Jahren nicht mehr. Logisch, angetüdelt war’ma’, mehr nicht.
Ich habe keinen Plan woran das liegt, aber ich vermute es liegt an der Vernunft und dem Unwillen Kontrolle abzugeben. In der Regel ist’s nämlich so, dass man sich heutzutage andauernd darüber Gedanken macht, was wäre wenn, sprich über etwaige Konsequenzen, was denken Andere über mich, darf man das und so fort. Natürlich ist das vollkommen albern, weil’s einem gehörig den Spaß verdirbt. Früher dachte man nicht so viel darüber nach, man machte einfach. Die Folgen waren zwar oft nicht absehbar, aber egal. Yep, rückblickend vermag man über manche Dinge wahrlich nur den Kopf schütteln, was man damals alles für M#st baute und wie man auf die K#cke haute, da sind auch in meiner Geschichte echt einige Kracher dabei, böse, böse, böse.
Warum ich das hier ausführe? Weiß nicht. Zusammenfassend ist festzustellen: Früher konnte man saufen, cool war’s, Hangover kannte man nicht, heute macht’s keinen Bock mehr und den nächsten Tag kanns’de meist in die Tonne kloppen.
Zurück zu heute Nacht. Eigentlich möchte ich garnicht drüber nachdenken. Aus einem Drink wurden etwa sechs Stück. Wenn man bedenkt, dass ein Gläslein mit 4,50 zzgl. einen Euro Pfand, was man sich eh nicht zurückholt, also mit 5,50 zu Buche schlägt, sind wir nach Adam Riese bei über 30,- Euro. Davon hätte ich mir im Supermarkt gleich drei Flaschen Jim Beam kaufen können. Neh, die Mischung war echt nichts. Ein Spritzer Whisky für den Geschmack, das dürfte es gewesen sein. Vielleicht auch besser so.
Kickern war angesagt, zuerst mit Katrin und Regina sowie ‘nem Typ aus Leipzig, welcher bei Regina zu Besuch war, den Namen habe ich natürlich schon wieder vergessen. Heute wollten die in Potsdam Segeln. Später, in den frühen Morgenstunden, der Laden hatte sich sichtlich geleert, kickerte ich dann gegen Conny, die DJane. Das war vielleicht eine peinliche Vorstellung. Weil da habe ich voll abgeloost. Mein Reaktionsvermögen war das einer Schlaftablette. Neh, ganz schlimm, was’n Trauerspiel. Insgesamt fütterte ich den Kickertisch mit mindestens zehn Euro durch die Nacht.
Der Musikmix war nicht so wirklich meiner, a bisserl eintönig. Meinen Musikwünschen wurde nicht entsprochen. Gut, die passten auch nicht wirklich rein, sei’s drum. – Kurz nach 6 machte ich mich von dannen.
Sodele, jetzt hoffe ich, dass der Whisky noch heute meine Blutbahn verlässt und damit morgen wieder alles schick ist, guten Tag.

