Es war Sonntag, Sonntag vor einer Woche, Sonntag, der 24.05.2009. Der Tag davor Samstag. Samstags war ich damit beschäftigt u.a. den frischen Rhabarber aus dem Garten zu waschen, außerdem die Radieschen und Salate. Sogar die ersten Erdbeeren konnte man pflücken.
Am Sonntag fuhr ich morgens gegen 9 zuerst einmal mit A. zum Bienenhof in Lambrechtshagen. Dort hatten die Kiddies über die Nacht gezeltet. Das hieß also erstmal Schlafsack zusammenrollen und Zelt abbauen. Danach, einen Honig holten sie sich noch, setzte ich die beiden bei der Haltestelle am Ostseepark ab, weil A. mit J. den Rittermarkt in Rostock besuchen wollte.
Auf dem Rückweg zur Farm legte ich einen Tankstopp bei der HEM in Bargeshagen ein. Dieses Mal geriet ich an eine total nette und hübsche Kassiererin.
Halb 12. Die Adresse am Navi eingestellt und los ging’s quer durch die Pampa. Toll. Wenn das nur nicht alles so weit ab vom Schuß wäre, idyllisch, schöne Häuser, freundliche Dörfer. Mit 120 heizte sie die Landstraße lang, wo kaum zwei Fahrzeuge aneinander vorbeipassten. Sie kann fahren, wohl war es mir dabei dennoch nicht.
Der Naturhof Eickhof, er nennt sich Naturdorf, war unser Ziel. Die letzten Meter gingen ganz ordentlich auf die Stoßdämpfer. Vor der Pferdekoppel abgeparkt, liefen wir rüber, wo die Kanus bereits auf dem Hänger warteten.
Bei der nächsten Tour waren wir dran. Nachdem er noch ewig telefoniert und dabei im Stillstand trotzdem fleißig Diesel verbrannt hatte, wurde der Anhänger angekoppelt, wir durften vorne sitzen und los ging’s. Ein alter dunkelgelber VW-Bulli, mit Kassettendeck und vieles sah nach Handarbeit aus. Weitendorf, dort wurden die Kanus in die Warnow gesetzt.
Doch da musste man erstmal hinkommen. Egal wie schmal die Straße, egal wie breit der entgegenkommende Traktor, ich wäre in diesem Tempo nicht einmal ohne Hänger gefahren. Heruntergebremst wurden wir dann nur von einem Dorfi oder anders ausgedrückt, wir hatten ein tiefergelegtes Auto, ich tippe auf ehemals VW Golf, vor uns, welcher aus (begründeter) Angst in Schrittgeschwindkeit über das Pflaster zuckelte.
Klischee Dorfi: Als Halbstarke hängen’se, sofern vorhanden, im Jugendclub oder Gemeindetreff herum, alternativ an der örtlichen Bushaltestelle. Wenn’se dann endlich den Führerschein in’ner Tasche haben, ohne den’de auf’m Land eh völlig aufgeschmissen bist, und das Mofa Geschichte ist, trifft man sich des Abends am nächsten Autohof, Burger King oder McDonalds. Wochenendes steht die Dorfdisse auf’m Programm, welche meist in einem Industriegebiet liegt.
Aufgemotzte Schlitten sind Pflicht, möglichst tief, Spoiler dagegen je höher desto besser.
Tatsache ist, das ist nicht nur Klischee. Es ist echt. Willkommen in der Wirklichkeit. Und denks’de nun, die werden irgendwann erwachsen? Mitnichten. In Brandenburg sind selbst Opas getunt unterwegs, kein Scherz.
Etwa zehn Minuten hingen wir hinter dem Dorfi mit Güstrower Kennzeichen, bis wir ihn endlich überholen konnten. Am Fluß angekommen, luden wir die Kanus ab, bezahlten die Leihgebühr, steckten unsere wichtigen Dinge in die Tonne und paddelten los.
Kaum Strömung, wenig Leute auf dem Wasser, entspannend. Nur mit der Koordination haperte es gelegentlich. Ich sass hinten und war für die Steuerung zuständig, was nicht immer einwandfrei funktionierte.
Das sonst klare Wasser war von Sturm, Orkan und Regen der Nächte davor aufgewühlt, eine braune Brühe. Die Landschaft, Natur eben, grün, schööön. Tausende von kleinen blauen Libellen schwirrten herum.
Wir legten einen Pippi-Stopp ein, dann ging’s weiter die Warnow flußabwärts. Irgendwann setzten wir auf, die Turnschuhe wurden ausgezogen und wir hoben das Kanu drüber.
Das nächste Hindernis war ein Metallkonstrukt, welches quer über den Fluß gebaut war. Wir versuchten es zuerst untendurch, was jedoch an der Höhe unserer Bugspitze scheiterte. Das hieß, wie auch die Kids vor uns, mussten wir mit dem Kanu den Landweg an der Brücke vorbei beschreiten. Das war eine ganz schön schlammige Angelegenheit. Gleich waren wir wieder unterwegs, da hätte es die Reiseführerin beim Einsteigen fast ins Wasser geschlagen. Ich meine, sie war drin, mit einem Bein und es sah wenig elegant aus. Doch sie schaffte es glücklicherweise ohne Komplett-Wässerung wieder ins Boot.
To make a long story short, vor den Stromschnellen bogen wir nach links ab, etwa vier Stunden waren wir auf dem Wasser unterwegs gewesen. Wir zogen das Kanu raus, brachten Tonne und Paddel zurück zum Ausgangspunkt und wie das so ist, ab nach Hause. Vorbei an Kühen, Pferden, uralten Kirchen, Rehen, Gutshöfen, eingefallenen Reetdachhäusern und Katzen.
Auf der Farm angekommen wurde bemerkt, dass ein 7-Euro-Pulli zum Trocknen auf der Tonne vergessen worden war. Sprich, wir fuhren dann direkt nochmal hin- und zurück.
25 Euro kostete das Vergnügen. Der Kaufpreis eines Kanus liegt bei etwa 2500. In den 25 Euro ist der Transport bereits inklusive. Ein Schnäppchen wie ich finde bzw. einfach ein sehr fairer Preis. Und ich denke, wir werden sicherlich wieder ‘mal Kanu fahren.

