Pünktlich war er nicht wirklich. Der regionale Express fuhr schon mit zehn Minuten Verspätung am Hauptbahnhof ein. Es war die Hölle los auf dem Bahnsteig. Die Katja war dann wohl doch nicht die Katja. Ein nettes Mädel ja, aber ich kam mir völlig deplatziert vor. Denn die anderen Mitfahrer waren alle total junge Mädels.
10 Uhr 30 trafen wir uns am Segafredo Zanetti Coffee Shop, gingen danach runter auf Gleis 6, wo der Bahnsteig total überbevölkert war, was sich nach der Abfahrt des Zuges nach Stralsund nur unmerklich entspannte. Es folgte die Durchsage, dass unser Regionalexpress ein paar Schritte weiter auf Gleis 5 ein- und abfahren würde.
Als wir dort warteten, sprach mich ‘n Typ an, ob ich ihm denn mit seinem Fahrrad behilflich sein könnte. Das war so ein uriges ansich ganz cooles Ding mit einem Hänger dran. Aber keinesweg so einen wie man sonst so kennt, nö. So alt, nix mit Alu. Im Klartext, ein ordentliches Gespann. Nachdem ich das Ding anguckte und anmerkte, dass wir ja selbst schauen müssten, damit wir irgendwie mit dem Zug mitkommen, schimpfte er, dass sich ja jeder um sich selbst kümmern müsste und so.
Nunja, ich hatte einen großen Reise-Rucksack auf dem Rücken, plus die Notebook-Tasche an der Seite, der Bahnsteig war gerammelt voll und es war absehbar, dass es der viel zu kurze Zug ebenfalls sein würde. Sorry, aber da bist Du mit so einem großen Gespann einfach angeschmiert.
Ich meinte dann, dass er den Hänger ja schon ‘mal abmontieren könne, ich nahm das Rad. Und sah, dass der Steppke auf dem kleinen Rad auch zu ihm gehört. In Neustrelitz wollten die aussteigen. Tja, es passierte, ich wusste es, der Zug rollte ein, wir standen zwischen den beiden Türen des ersten Wagens. Es war vergebens. Wir spurteten von einer Tür zur nächsten, wo die Eingangsbereiche alle bereits fast komplett mit Fahrrädern blockiert waren. Das tat mir leid. Ich quetschte mich dann irgendwann noch rein, sonst wäre ich auch nicht mitgekommen. Und ließ die beiden zurück.
Wegen dieser Massen an Rentnerclubs mit ihrer Fahrradarmada und anderer Ausflügler fuhr der Zug letztlich 20 Minuten Verspätung ein. Die Abteils waren knallvoll. Nachdem ich kurz Katja angeklingelt hatte, welche mir kundtat, dass sie mir ein Plätzchen freihielten, kämpfte ich mich durch, wieder vor zum Kopf des Zuges.
Gegen 24 nach 1 nachmittags ritt ich in Rostock ein. Übrigens war der Zug bis Rostock leerer und leerer geworden. Ich schaute Film, La Linea und ein bisschen Two Lovers. 11 Euro kostete mich die Zugfahrt, super. Das funktonierte so in Kombination von zwei Länder-Tickets, Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, geteilt durch fünf Mitfahrer.

