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Spider

Archivist • Freitag, 4. Juni 2004 000 Uhr • Category: Backup,Filme

Spider Londoner Eastend, Kitchener Street 29, Ende der 60er. Hier wohnt der 10jährige Dennis (Bradley Hall), in einfachen wie deprimierend eintönigen Verhältnissen, mit seinem Vater Bill Cleg (Gabriel Byrne) und seiner Mutter (Miranda Richardson). Bill ist Installateur. Nach der Arbeit trifft man ihn meist in der Kneipe The Dog and Beggar an, von wo ihn Dennis öfters zum Abendessen heimholen muss. Viel zu sagen haben sich die beiden nicht, eine Vater-Sohn-Beziehung existiert genauso wenig wie dass die Ehe intakt wäre. Bill hat kein Interesse, weder an seiner ordentlichen, braven Frau noch an seinem Sohn, so sieht es Dennis. Und Dennis, eher introvertiert, bei dem ist auch nicht mehr los. Freunde hat er nicht, nur seine Mutter, er redet nicht viel, zieht sich zurück in seine Gedankenwelt, unter sein aus Fäden und Seilen gespanntes Netz. Von seiner Mutter wird er deshalb liebevoll ‘Spider’ gerufen.
Spider spinnt, kein Netz, eine Geschichte: Bill bandelt nach einem Job in Yvonnes Wohngemeinschaft eben mit dieser an. Und eben die ist eine einfältige vulgäre Hure und, so wie Bill, dem Alkohol gar nicht abgeneigt. Nun trägt es sich zu, dass sich die beiden eines Abends in dem Clegschen Schrebergarten verabreden. Als dann plötzlich, er sitzt im Sessel, Yvonnes Hüfte bewegt sich rhythmisch, seine Frau im Türrahmen erscheint, nimmt er den Spaten und es ist passiert. Sie wird gleich neben der Hütte verscharrt, seine Komplizin und Freundin zieht direkt danach bei ihm ein. Für Spider sind die beiden nur "bloody murderer", auch wenn er das später zurücknimmt, wonach er ein "Sorry" Richtung Gemüsebeet schickt.
Sie sei nicht seine Mutter. "Muffin" nennt sie ihn, Spider hasst sie. Nachts, er hört sie kommen. Bill marschiert hoch ins Schlafzimmer, sie nickt bereits in der Küche ein. Es ist soweit. Spider zieht an der Schnur, welche er bis runter in die Küche gelegt hat, an den Gashahn unter’m Herd. Das Gas füllt die Küche und kriecht weiter durch’s Haus, Spider ist happy, jawohl. Sein Vater ist wach, kommt, aufgeregt, packt ihn, trägt ihn die Treppe runter und setzt ihn vor der Haustür ab. Bill Cleg entdeckt beim Abdrehen die Schnur. Raus, Vorgarten, sie ist tot. – "You killed your mother!", Spider hat seine Mutter umgebracht. Nächster Stopp: Psychiatrie.
Zwanzig Jahre sind inzwischen vergangen, die drückende Tristes ist dieselbe, leer & farblos. Lange war er weggesperrt, Dennis Cleg (Ralph Fiennes) ist kaputt, zerstört, entrückt. Es ist gelaufen. Dennis Cleg ist krank, schizophren, gefährlich, gebrochen. In ein Männerwohnheim soll er jetzt entlassen werden, raus, in eine Gesellschaft, wo er nie gelernt hat sich zurechtzufinden. Es ist die 71, zurück, E1, Londener Eastend, die Nachbarschaft seiner Kindheit.
Wir finden uns auf einem Bandsteig wieder. All seinen Besitz trägt Spider an, bzw. bei sich, die vier Hemden übereinander, die Tabakdose im Strumpf, das alte Köfferchen, sein Notizheftchen. Dort protokolliert er, nicht lesbar, es ist persönlich, sein Geheimnis, seine Erinnerungen. Er steigt aus dem Zugabteil, langsam schlurft er dem Ausgang entgegen, leise vor sich hinmurmelnd, unverständlich, verstört. Hier lernen wir ihn kennen, und hier beginnt der Film.

Regisseur David Cronenberg und Drehbuchautor Patrick McGrath stehen hinter der 10-Millionen-$-Capitol-Films-Produktion, ebenso beteiligt: Davis Films, Artists Independent Network – im Vertrieb der Studio Sony Pictures Classics. Der Außendreh startete am 28. Juli 2001 in London, drei Wochen, ein fünfwöchiger Studiodreh in Kanada, Toronto, folgte. Weltpremiere war im Mai 2002, wo der Drama-Thriller im Wettbewerb in Cannes lief, Kinostart ist der 28. Februar ’03 gewesen, seit dem 29. Juli ’03 gibt’s den Film von Columbia TriStar Home Entertainment bereits auf Dvd.

— Der Streifen ist ein Egotrip. Es dreht sich absolut und einzig nur um David Cronenberg. Die Anfangstitel über den düsteren Rorschachpinseleien ziehen sich dermaßen, man liest David Cronenberg, erneut David Cronenberg, David Cronenberg schon wieder, dass man aufstehen möchte um den Filmvorführer zu bitten, schnell vorzuspulen. Wenn man es dann tatsächlich geschafft hat bis zum Ende wach zu bleiben, vielen Dank an die Mädels nebenan, welche sich seit geraumer Zeit unterhalten, dann fragt man sich am Schluss: Warum? Was eine Zeitverschwendung! Und: Was eine Fehlinvestition an Ressourcen. Wie toll, da ist jemand mit einer unschönen, gar traumatischen, Vergangenheit, und psychisch krank ist er auch noch. Um so jemanden zu sehen brauche ich nicht ins Kino zu gehen, denen begegnet man im RL überall. Folglich ist es nur total überflüssig so eine nichtssagende Geschichte auf Zelluloid zu bannen. Wenn es denn wenigstens eine Geschichte wäre. Wirres Gedankengut ist’s, mehr nicht, und der Zuschauer soll sich letztlich selbst einen Reim draus machen, was ist, was nicht, wie wär’s, weil der Regisseur völlig überfordert scheint. Der Film transportiert weder Freud noch Sinn, eine Aneinanderreihung von Grau-in-Grau, alles dasselbe, die Handlung plätschert gelangweilt dahin. Unser Protagonist taucht auf, dreht sich einmal im Kreis und verschwindet wieder. Spider interessiert nicht. "I smell gas!"

Cinestar Sneak Preview: 03.06.’04
Offizieller Kinostart D: 10.06.’04

 

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