Irgendwo in Texas. Es ist wortwörtlich eine Angelegenheit von Tod oder Leben, sie läuft und läuft – gegen die Uhr. ‘Check Engine’, vielleicht hätte die äußerst ehrgeizige News Inc. Journalistin Elizabeth "Bitsey" Bloom (Kate Winslet) aus New York City oder der ihr von ihrem Chef gegen ihren Willen zur Seite gestellte Praktikant Zack (Gabriel Mann) doch einmal bei Gelegenheit den Leihwagen durchchecken lassen sollen. Wahrscheinlich haben sie’s einfach vergessen, als sie wieder ‘n Mobilfunk-Netz hatten. Und dieser Umstand könnte ein tödlicher Fehler sein.
Vier Tage früher im Big Apple: Bitsey will das hoffentlich karrierefördernde Interview mit dem Harvardabsolventen und Universitätsprofessor Dr. David Gale, dessen Hinrichtung für den Abend in vier Tagen angesetzt ist, unbedingt haben. Einen Koffer voll Dollars erhält Gales’ schleimiger Anwalt Braxton Belyeu (Leon Rippy) für diese Exklusivität. Zum Tode verurteilt ist Gale wegen Vergewaltigung und Mordes an seiner guten Freundin und leukämiekranken Ex-Kollegin Constance Hallaway (Laura Linney), mit welcher er die gegen in Texas gängige Praxis der Exekution von Mördern demonstrierende aber leider ziemlich erfolglose Aktivistengruppe "Death Watch" ins Leben gerufen hatte. Generell sind sie gegen die Todesstrafe und vertreten ihre Meinung öffentlich, wie auch die Ansicht, dass so oft Unschuldige durch das ungerechte Justizsystem verurteilt werden. Dies hier sei nicht Frankreich oder Deutschland, sondern Texas, Regeln sind alles, so der Gefängnisdirektor. Bitsey stellt das Todesurteil erstmals nicht in Frage bevor sie David gegenübersitzt, getrennt durch Gitter und Kunststoffglas, und dieser der von ihm auserwählten Reporterin die Geschichte seines Lebens erzählt. Denn so will er nicht in Erinnerung bleiben.
Wir drehen die Zeit weiter zurück. David ist ein glücklich verheirateter Familienvater und dazu ein an seiner Uni sehr beliebter liberaler Professor, welcher auch gerne auf einer Studentenparty vorbeischaut. Ein respektierter Mann mit Prinzipien und nebenbei auch ein bekannter wie eifriger Kämpfer eben gegen die Todesstrafe. Eines Tages wendet sich im Hörsaal nach dem Schlussklingeln die ziemlich attraktive Studentin Berlin (Rhona Mitra) ganz vertraulich an ihn und macht ihm eine Offerte: Alles, ja, wirklich alles würde sie tun um weiterzukommen. Er beugt sich zu ihr rüber und flüstert ihr zu, was helfen könnte, lernen sollte sie! Aber sie lässt nicht locker und bleibt an ihm dran und kriegt ihn letztendlich auch. Total alkoholisiert wankt David bei einer nächtlichen Privatfete hoch um sich im Bad frisch zu machen. Und dort schnappt sich Berlin David, noch behält die Vernunft Oberhand, ziert er sich, sie solle ihm vom Leib bleiben, fit ist er schon lange nicht mehr, das Unheil nimmt seinen Lauf. Mehr gegen seinen als ihren Willen nimmt er sie heftigst bis die Musik unten abgedreht wird. Am nächsten Tag wird er nach einer TV-Debatte mit dem Gouverneur festgenommen. Trotzdem er von den Vergewaltigungsvorwürfen freigesprochen wird ist sein Ruf total ruiniert, es geht kontinuierlich bergab, alle wenden sich von ihm ab, von ihm, dem Vergewaltiger. Das bedeutet nicht nur sein berufliches Aus, dass er seine Stelle aufgeben muss. Seine Frau emailt ihm, dass sie die Scheidung wolle und das Haus verkaufen werde, auch sein Kind verliert er dadurch. Im weiteren Verlauf ist es ihm unmöglich Kontakt zu halten, jeder Versuch wird abgeblockt, er flüchtet sich in den Suff. – Er kann sich scheinbar wieder aufrappeln, schneit bei den anonymen Alkoholikern vorbei und findet wieder einen Job, nichts was einem intelligenten Akademiker adäquat erscheinen würde, aber zumindest macht er was.
In der Gegenwart: Es ist schon sehr auffällig wie der Pickup Bitsey und Zack andauernd begegnet. Es ist Dusty (Matt Craven), welcher sich auch für "Death Watch" engagiert hatte und bei Constance ein und aus ging. Wie der dazu passt, das können sich die beiden New Yorker bisher noch nicht erklären. Bitsey wollte das Ganze nicht an sich herankommen lassen, inzwischen weiß sie nicht mehr was sie glauben soll. Treibt David Spielchen mit ihr oder sagt er die Wahrheit? Dunkel, abends an ihrem Motel, ihre Zimmertür ist einen Spalt offen, eine Rolle silbernes Ductape klemmt dazwischen. Auf, von der Decke hängt ein Videoband. Zack holt drüben einen Videorecoder, schließt ihn an und die Vorstellung kann beginnen: Die Küche, auf dem Boden liegt eine nackte Frau, mit einem Stück Tape über dem Mund geknebelt, eine Tüte darüber und mit Klebeband am Hals fixiert, die Hände mit Handschellen auf den Rücken gefesselt. In der Autopsie ist festgestellt worden, dass sich Hautartikel von David unter ihren Fingernägeln haben finden lassen, sein Sperma in ihr und der Schlüssel für die Cuffs befand sich in ihrem Magen. So liegt sie da, erst regungslos, dann als ihr die Luft wegbleibt, zappelt sie, vergeblich. Geschockt ist Bitsey, wie grausam. Wie, was, sie weiß es nicht, was stimmt nicht, woher kommt das Video? War es überhaupt Mord, wer ist der Mörder?
Wieder und wieder schaut sie das Video. Erneut besuchen sie den Tatort im Haus, wo so eine Gruftie-Tussi gegen ein paar Dollar eine Führung gibt. Sie stellen die Szene nach, Bitsey will es wissen und sie kommt zu einer überraschenden Schlussfolgerung, warum die Handschuhe ordentlich zurückgekrempelt worden sind, warum das Opfer sich bewegt, ruhig daliegt und sich dann erst bis zum Tode verzweifelt hin- und herbewegt. Dusty könnte es gewesen sein, der hatte auch gegen David ausgesagt, das war eine Möglichkeit davor. Wenn das Video vom ihm käme, dann müsste er eigentlich die ganze Aktion aufgezeichnet haben. – Davids’ Stunden sind indes gezählt, er bestellt sich das, was seine Kleine so gern zum Frühstück hatte, Pfannkuchen, dazu Sahne und Erdbeeren. Gegner wie auch Befürworter haben sich inzwischen an den Straßenabsperrungen eingefunden, unzählige Fernsehsender berichteten. Alle Begnadigungsgesuche sind abgewiesen worden. Eine Postkarte von Berlin damals als Entlastung, ein Mädchen, dass alles dafür tun würde, das Geschehene ungeschehen zu machen, das reicht nicht. Es liegt an Bitsey. Würde sie David retten, beweisen, dass nicht alles so ist wie es gestellt ist oder war er es doch?
Universal Pictures präsentiert diesen $ 50 Millionen Streifen, welcher bei uns durch die United International Pictures Filmverleih GmbH vertrieben wird. Produzenten dieses tragisch-dramatischen Kriminalthrillers sind u.a. Nicolas Cage mit seiner Saturn Films und der Regisseur Alan Parker mit Dirty Hands Productions. Mit dabei auch Intermedia Films. Der ursprünglich texanische Wiener Philosophieprofessor Charles Randolph wurde schon ’98 von Warner Bros. mit dessen ersten Drehbuch beauftragt. Die Filmdreh startete am 8. Oktober ’01 in Austin und zog sich hin bis April ’02 in Barcelona. Offizielle Weltpremiere war am 7. Februar um 12h30 im Berlinale-Palast auf dem 53. Internationalen Filmfestival Berlin, wo er auch für den Goldenen Bären nominiert ist.
— Ein provokantes aufrüttelndes Movie über die Fragwürdigkeit der Todesstrafe möchte es sein. "Hoffentlich wird der Film die Konversation anregen", meint der Regisseur. Tatsächlich ist das richtig daneben gegangen. Denn diesem Vorsatz werden die zwei Stunden in keinster Weise gerecht. Eigentlich ist sogar völlig offen ob eine Moral hinter der Geschichte steckt oder eine Message vermittelt werden will. Vielleicht, dass Lust & Sex das Quell des Niedergangs, böse, sind? Denn das komplexe Thema des "capital punishment" spielt zwar in der Handlung eine gewisse Rolle, ist aber faktisch kaum relevant. Auf den Punkt gebracht: Es stellt sich hinterher die Frage, was das überhaupt soll, was die Idee sei, was sich der Autor anfangs gedacht haben könnte. Und das nervt echt. Aber jetzt weg von der Story, welche weder Neues noch Besonderes bietet. Die Schauspieler tun ihr Bestes, was jedoch den armen dürftigen Plot nicht aufwiegt. Außerdem, dass sich theoretisch jemand selbst umbringen und dieses entweder mit oder ohne fremde Unterstützung wie ein Mord aussehen lassen könnte oder gar jemand, egal, es ist einfach so unsinnig. Ein unkreativer Kampf gegen die Uhr, inklusive eines Schusses Ironie. Der farblose Film ist meiner Meinung nach keinesfalls preisverdächtig. Noch was, mich hat der dritte Teil des Videos, bzw. das Ende, nicht überrascht, ich dachte, das würde ich bereits im zweiten Teil sehen. In gewisser Hinsicht ist es ein Happy End. Als Letztes, Fazit: So lala. “Don’t push it smart ass!”
Cinema Sneak Preview: 07.02.’03
Offizieller Kinostart D: 13.03.’03

