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Ich werde terrorisiert. Telefonterror.

GMU • Dienstag, 13. Januar 2009 218 Uhr • Kategorie: Händel

Die Vorgeschichte:

Ich war zu Weihnachten bei meiner Familie in der Nähe von Coburg. Für die Strecke Berlin-Coburg hatte ich ein Angebot mit der Abfahrt am 23.12.2008 um 12 Uhr bei Mitfahrgelegenheit.de eingestellt, wo ich bereits seit 2003 registriert bin.

Mitfahrgelegenheit.de ist ein Webportal, bei welchem Fahrer (mit Auto) Mitfahrern anbieten sie für eine bestimmte Strecke ausschließlich gegen eine Fahrtkostenbeteiligung mitzunehmen. Hierfür entrichtet der Mitfahrer einen Obolus, sozusagen Spritgeld, welcher Verhandlungssache ist und stets vorher verabredet wird.
In der Regel gelten aber weitgehend fixe Preise, welche geringfügig variieren bzw. sich u.a. am Komfort (Beifahrersitz oder gar zu dritt auf der Rückbank), Geschwindigkeit und Beschaffenheit des Fahrzeuges (modernes Automobil oder gar altes Wohnmobil) orientieren. So sind es von Rostock nach Berlin beispielsweise immer so um 11 Euro und in meinem Falle, also der Strecke Berlin-Coburg, und weil um die Weihnachtszeit jeder fahren möchte (Angebot-Nachfrage), hatten wir 25 Euro vereinbart.

Da ich ein Möbelstück von IKEA zu transportieren hatte, blieb für den/die Mitfahrer/in nur der (dafür komfortable) Platz des/der Beifahrers/in.

Wenige Minuten nachdem ich am 22.12.2008 das Angebot online eingestellt hatte, klingelte bereits das Telefon. Die Rufnummer wurde unterdrückt.

Ich hatte ein ungutes Gefühl und das Telefonat war wirklich sehr unangenehm. Laut Einzelverbindungsnachweis meiner Festnetzrufnummer war es 11h23 gewesen und das Telefonat dauerte 7:22 Minuten. Ihr zweiter Anruf am 23.12.2008 um 10h50, als ich ihr 12 Uhr nochmals bestätigte, dauerte eine halbe Minute.

Die Anrufende stellte sich als Saskia vor. Mitfahrgelegenheit.de wäre für sie ganz neu und sie erzählte weiter, dass sie momentan eine Freundin in Neukölln besuche, weil diese psychische Probleme hätte und auch übermorgen eingeliefert werden würde. Aber sie sei ja normal, komme jedoch nicht weg aus Berlin, weil ihr eben diese Freundin mit der Nadel die EC-Karte kaputtgemacht habe. Wenn sie das gewusst hätte, dann hätte sie die Karte nicht herumliegen lassen. Und weil sie in Berlin nirgends an Geld komme und sie von einem Verwandten versetzt worden sei, wollte sie trotzdem mitfahren und versprach mir mehrmalig den Betrag von 25 Euro dann sofort zu überweisen.

Sie wolle Weihnachten so gerne daheim bei Familie sein, sie wären sieben Kinder, statt alleine in Berlin. Leider habe ich nicht auf mein Gefühl vertraut und mir gedacht, weil ja Weihnachten war, vielleicht ist es eine gute Tat und an der komischen Geschichte mit der EC-Karte ist vielleicht doch was dran. Ich sollte irren.

Folglich sagte ich weiteren Leuten, welche ebenfalls gerne nach Coburg mitgefahren wären und natürlich – wie immer und überall üblich – direkt bezahlt hätten, ab und deaktivierte das entsprechende Inserat, weil andauernd Interessenten anriefen.

Da sich Saskia, ich kenne sie nur unter diesem Namen, angeblich nicht in Berlin auskannte, vereinbarte ich mit ihr den Treffpunkt Ecke Mehringdamm/Baruther Straße, wo ich gut halten konnte.

Ich biege also am Dienstag, den 23. Dezember, vom Mehringdamm in die Baruther Straße rechts ab und sehe schon an der Ecke zwei Gestalten stehen.
Rückwärts setzte ich das Fahrzeug, einen schwarzen Ford Focus, in eine Parklücke und öffnete den Kofferraum. Ich fragte die beiden Personen, ob es nach Coburg ginge, welches bejaht wurde. Dann sagte ich noch Guten Tag, wobei die beiden nur irgendwie ein geniertes “Hallo” rausbekamen.
Er: Etwa 30, schlank, sehr ungepflegt, sowohl die Kleidung als auch die Person. Sie: Etwa 25, ziemlich korpulent, braunes Haar. Wenn ich mich recht entsinne, hatte sie, bis auf Jacke und Schal, nur eine rote Sporttasche dabei. Oder auf Deutsch: Er sah aus wie der typische Parade-Hartz-IV-Empfänger, richtig pfui, sie war einfach fett, hässlich und wie sich wenig später bestätigte, strunzdumm.

Nachdem die beiden ihre Zigaretten zu Ende geraucht und sich verabschiedet hatten, stieg sie in mein Fahrzeug und wir machten uns auf den Weg nach Coburg.

Die Strecke war frei und so war ich nicht gerade spritsparend sehr zügig unterwegs. Blöderweise nahm ich auch noch einen 80iger-Blitzer zwischen zwei Tunneln mit.

Mit Saskia war eine Unterhaltung im Sinne von Kommunikation nicht möglich.

Sie erzählte, dass Ihr Freund Fernfahrer sei und schon einmal ein ganzes Monatsgehalt zahlen musste, weil das Navigationsgerät der Firma ihn zu dem falschen Ort gelotst hätte, so dass er über 800 Kilometer Umweg gefahren sei. Grund dafür war, dass es den Ort mehrmals in Deutschland (so wie auch beispielsweise Berlin) gegeben hätte, jedoch sei das Navi Schuld daran gewesen, eigentlich sogar die Firma, weil das Navi der Firma gehörte.

Weiter berichtete Saskia, dass sie in Coburg sehr viel Verwandtschaft hätte, welche dort in dem schlimmsten Stadtteil wohne, in welchem tagtäglich jemand umgebracht werden würde.

Im Übrigen müsse sie gleich nach Weihnachten wieder in Thüringen arbeiten, da sie bereits ihren ganzen Urlaub für Berlin aufgebraucht hätte.

Beiläufig fragte ich, bei welcher Bank sie denn sei. HypoVereinsbank entgegnete sie. Als ich daraufhin anmerkte, dass ich auch ein Konto bei der HVB hätte und sich die nächste Filiale in der Friedrichsstraße befinde, wiederholte sie sich, dass sie sich in Berlin nicht auskenne. Ich habe mir dabei nur bvg.de Fahrplanauskunft und hvb.de Filialfinder gedacht, aber dieses nicht ausgesprochen. Sehr suspekt.

Der Vollständigkeit halber: Bei einem Tankstopp war ich nach dem Bezahlen noch kurz auf der Toilette. Als ich zurückkam, ist Niemand im Auto. Saskia hatte wohl ebenso das Stille Örtchen besucht. Das Fahrzeug war selbstverständlich nicht abgeschlossen gewesen, weil ja bei meinem Verlassen und der Betankung die Mitfahrerin an Bord gewesen war. Und dass [...] in dem Fach neben dem Zigarettenanzünder ihr Tank- & Wechselgeld sammelte, das ist mir erst später wieder eingefallen. Aber man will Niemandem etwas unterstellen.

Am 23.12.2008 15h39 habe ich Saskia – weil angeblich ihr Akku leer war – von meinem Handy aus die Person anrufen lassen, welche sie in Coburg am Bahnhof abholen sollte: Telefon 09*68/8966*7*.

Laut Log des Navigationsgerätes bin ich am 23.12.2008 um 11 Uhr 56 in Berlin losgefahren, machte um 13h43 einen Tankstopp Nähe Schkeuditz und war um 15h56 in Coburg am Hauptbahnhof.
Dort angekommen notierte ich auf einem Blatt Papier eines karierten Blocks aus meiner Beifahrertür leserlich meine leicht zu merkende Bankverbindung bei der HypoVereinsbank. Außerdem schrieb ich mir von Saskia u.a. den Namen auf, wobei mir die Aufzeichnungen momentan nicht vorliegen, aber ich denke die Daten lauteten wie folgt:

  Frau E*******, Saskia Samira
  geb. **.**.1988 in Coburg
  wohnhaft N********* Str. ***
  96515 Sonneberg

Sie versprach mir gleich später via Telefonbanking das Geld zu überweisen. Und damit trennten sich unsere Wege.

Als ich nach zwei Wochen immer noch keinen Geldeingang über die 25 Euro von Saskia feststellen konnte, rief ich am 06.01.2009 um 14h54 die Mobilfunkrufnummer an, welche sie als die ihre angegeben hatte: 017*/*20380304. Ich schätze die letzten beiden Ziffern hat sie fälschlicherweise genannt, da 017*-Nummer generell nur siebenstellig sind. Wie dem auch sei, ich rief diese Nummer an und Saskia meldete sich wie gewohnt mit “Hallo”. Ich sagte meinem Namen und fügte hinzu, dass ich derjenige sei, welcher sie am 23. Dezember mit nach Coburg genommen habe. Sie allerdings brabbelte, dass dies ein Irrtum sei, sie mich nicht kennen würde und ich falsch verbunden wäre.

Für einen kurzen Moment zog ich sowohl die Möglichkeit in Erwägung, dass sie mir ihre Nummer unabsichtlich oder vorsätzlich falsch diktiert oder mich soeben gehörig veräppelt hatte. In der Regel ist es nämlich normal, dass man heutzutage seine Nummer nicht mehr unterdrückt. Saskia dagegen rief jedes Mal mit unterdrückter Rufnummer an und hatte mir damals ihre Mobilfunkrufnummer nur auf Nachfrage mitgeteilt.

Da hätten die Alarmglocken erst recht läuten müssen.

Status Quo war, dass ich jemanden nach Coburg chauffiert – und damit vielen anderen absagen musste, welche sich ordentlich & fair verhalten hätten – und mich aus reiner Gutmütigkeit auf eine spätere Zahlung eingelassen hatte.

Diese meine Gutmütigkeit, das kleine Stückchen Vertrauen, wurde leider schamlos ausgenutzt, um mich um 25 Euro zu prellen, zu betrügen.

Nicht nur dass ich stattdessen vielleicht jemanden Nettes, jemanden Aufrechtes, einen guten Menschen, nicht mitgenommen, nicht kennengelernt hatte, nein, die schätzungsweise 100 Kilo von Saskia in dem Sitz meines Autos bzw. dem Fahrzeug [...], verbrauchten ja auch zweifelsohne eine Extraportion Super und Erdgas.

Wie dem auch sei, die Geschichte geht weiter:

Nachdem ich unter der angegebenen Mobilfunkrufnummer abgeblitzt bin, wählte ich die Telefonnummer, welche Saskia von meinem Handy aus getippt hatte und erklärte dem Herrn, welcher das Telefon in Neustadt abnahm, dass ich derjenige sei, welcher Saskia von Berlin nach Coburg mitgenommen habe und dass ich ihre Nummer verbummelt hätte. Bei diesem Telefonat (Dauer: 1:10 Minute) war [...] anwesend und kann jedes meiner Worte bezeugen! Ob ich “Samira” meine, fragte er, was ich bestätigte. Woher ich anrufe, ich sagte “Berlin”. Ach, dann bräuchte ich die Vorwahl gar nicht, meinte er weiter und ich traute meinen Ohren nicht. “Berlin *411377*. Ich bedankte mich vielmals und war baff.

Merke: Saskia war nur in Berlin zu Besuch gewesen und arbeitet angeblich in Thüringen.

So was hatte ich noch nicht erlebt, so unverschämt hatte mir noch niemals jemand ins Gesicht gelogen. Was tat ich: Ich wählte die 030/*411377* (Dauer: 4:58 Minuten), hörte wieder das altbekannte “Hallo” und fragte sie direkt, was das denn solle?! Offensichtlich war sie auf meinen Anruf nicht vorbereitet gewesen und stammelte etwas davon, dass ihre Banküberweisung zurückgekommen sei, sie vielleicht eine Ziffer vergessen und sie versucht hätte mich zu erreichen, aber nur ein Faxgerät rangegangen wäre.
Und wieder glaubte ich ihr naiverweise ein bisschen. Das mit dem Faxgerät war natürlich Unsinn, aber man kann ja bei einer Überweisung einen Zahlendreher machen, trotz dem die Kontonummer ******** so kompliziert nicht ist.
Ferner fragte sie wie ich an ihre Telefonnummer gekommen sei, wozu ich mich ausschwieg. Das verstehe sie nicht. Logisch, wenn ich anonym anrufen würde und der andere wüsste plötzlich meine Nummer, dann würde ich mich ebenfalls sehr wundern.

Erneut versprach sie mir die 25 Euro sofort zu überweisen, sie hätte ja Online-Banking und würde mir dann als Beweis für die Überweisung ein Bildschirmfoto emailen. Ich gab ihr meine andere Kontonummer und merkte an, dass sie das mit dem Foto nicht machen brauche, ich sehe ja, wenn das Geld auf dem Konto sei.

Pustekuchen. Eine Woche darauf, Montag, der 12. Januar 2008. Weiterhin fehlen mir die 25 Euro.

Also habe ich wieder einmal die 030/*411377* gewählt, hatte wie erwartet direkt Saskia mit “Hallo” am Apparat, welche, als sie merkte, dass sie es mit mir zu tun hatte, immer wieder “Hallo, Hallo” von sich gab, so als wäre die Verbindung dermassen schlecht und sie könne mich nicht hören. Dessen ungeachtet, habe ich ihr gesagt, dass ich die 25 Euro immer noch nicht erhalten habe. Aus dem “Hallo, Hallo” Gestammel wurde ein sich immer wieder wiederholendes “Das kann nicht sein”. Weiter teilte ich ihr mit, dass ich keine Lust mehr auf diese Spielchen hätte und wenn sie mir nicht endlich mein Geld überweise, Anzeige erstatten werde. Darauf wusste sie nichts mehr zu sagen und ich legte auf.

Abends ging der Telefonterror los. Erst war es Saskia. Sie beschimpfte mich, was es denn solle, dass ich Hans-Joachim oder so ähnlich (das ist dann wohl der Herr, welcher sie am Bahnhof abholte) erzählt hätte, dass sie etwas im Auto vergessen habe um an ihre Telefonnummer zu kommen. Ich warf ein, dass dies überhaupt nicht stimme, aber sie schimpfte weiter und ich legte auf. Wieder klingelte es und weiter beschimpfte sie mich als Lügner, wie frech ich sei, und das sei gar nicht ihr, sondern der Anschluss von Marcel (wahrscheinlich der Typ, welchen ich von der Ecke kannte). Außerdem würde ich andauernd anrufen und nichts sagen. Was ein Unfug! Verleumdung! Sie wollte mich einfach nicht zu Wort kommen lassen. Ich drückte nochmalig die Taste mit dem roten Hörer.
Und weiter ging’s, das Handy klingelte, hier sei Martin, meldete sich Marcel (natürlich ebenso mit unterdrückter Nummer), er siezte mich, ob ich denn [...] sei. Ja, antwortete ich und siezte ihn ebenso. Martin Marcel versuchte den Spieß nun umzudrehen und behauptete es wäre nie etwas von einer Fahrkostenbeteiligung vereinbart gewesen (was völliger Humbug ist, eh klar). Dann fing er an, ich solle wegen zehn Euro nicht so herummachen. 25, sage ich. “Zehn”, behauptete er. Weiter beschuldigte er mich, dass ich die 25 nur verlange, um den Blitzer zu bezahlen. Nachdem es immer abstruser wurde und er sich weiter in hanebüchenerne Vorwürfe und beleidigende Beschimpfungen steigerte, legte ich auf. Ich glaube ich bin dann noch einmal rangegangen, aber das war’s dann. Das Telefon klingelte daraufhin wieder und wieder.

Echt fertig und geglättet von soviel Widerwärtigkeit habe ich die 110 gewählt. Irgendjemand muss doch für Recht & Ordnung sorgen, dass die zumindest aufhören mich anzurufen.

Fehlanzeige. In den Minuten, in welchen mir ihr Kollege erklärte, dass sie – Die Polizei – für so etwas nicht zuständig seien, klingelte mein Handy viermal.

Nun gut, daher stelle ich Strafanzeige wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung. Außerdem wegen Diebstahl meiner Zeit sowie Betruges und Verleumdung.

Mir geht es nicht um die 25 Euro. Die Gesellschaft muss vor solchen Verbrechern geschützt werden. Vielen Dank.

Update 24.04.2009 12:19

Die Richterin wollte nicht verstehen. Weiter im Text hier, dann dort.

 

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