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The Girl Next Door

Null Kommentare Archivist • Freitag, 21. Mai 2004 000 Uhr

The Girl Next Door Danielle (Elisha Cuthbert) ist ein 19jähriges Pornomovie-Sternchen. Matthew (Emile Hirsch) dagegen ist ein 18jähriger unauffälliger High School Senior, welcher eher aussieht wie 16 und dessen Prioritäten mehr im schulischen sowie sozialen Bereich als im Erleben des Leben liegen. Die einen drehen ab, rasen johlend über’s Schulgelände und feiern einfach die letzten glorreichen Tage ihrer High School Zeit. Matthew dagegen sitzt brav mit seinen zwei Kollegen des Dreigestirns im Klassenraum und macht sich Gedanken über seine Rede zur "Moral Fibre", mit welcher er sich ein Stipendium für die Georgetown Universität gewinnen will, Grundlage für seine politische Karriere. So kreisen seine Gedanken folglich mehr um das Zitat von JFK (20.01.’61/Washington, DC): "Ask not what your country can do for you, ask what you can do for your country", statt dass ihm ein paar Worte für sein Jahrbuch einfallen. Sicher würde er gerne aus sich heraus, den strebsamen Spießer für ein Weilchen auf die Seite schieben. Er weiß, dass das nicht alles ist, er will (er)leben und er wird. Ob es da schlau ist gleich der ausgeflippten Bande zum Strand hinterherzufahren, erst denken, dann handeln, so seine Devise – bisher.

Es ist abends, er bringt die Mülltüte raus, vor zur Straße. Da sieht er sie und kann seine Blicke nicht von ihr lassen, ein Engel, so unschuldig, der Traum einer Schönheit. Wie sie von ihrem weiß-hellblauen VW Beetle zur Hausschwelle ihrer Verwandtschaft nebenan schreitet, das zieht ihn völlig in ihren Bann und damit spielt sie. Nicht genug dessen, sie quartiert sich in dem Zimmer gegenüber seinem ein. Ein Kleidungsstück nach dem anderen legt sie ab bis sie sich umdreht, hinüberschaut und den kleinen Spanner ertappt. Es hilft ihm nun auch nicht mehr unter dem Fenster in Deckung zu gehen. Wenige Minuten später klingelt es an seiner Haustür, seine Eltern öffnen. "Matthew", wird er hinuntergerufen.

Der Dreh zu der erotisch-romantischen Teenie-Komödie nach David Wagner & Brent Goldberg startete am 11. Januar letzten Jahres in Los Angeles und Santa Clarita unter der Regie von Luke Greenfield. Die letzte Klappe der Daybreak, Fox 2000 Pictures, New Regency Pictures & Regency Enterprises Produktion, an der auch Epsilon Motion Pictures zumindest finanziell beteiligt ist, fiel Ende März ’03. Kinostart war bereits der 9. April ’04. Bei uns befindet sie sich im Vertrieb der Frankfurter 20th Century Fox of Germany.

— Eine intelligent künstlerische Geschichte wie sie so aus der Realität des Alltags gegriffen sein könnte, hell no. Bloß nicht ernstnehmen, obwohl sehr wohl eine Message dahintersteckt: Riskiere alles für Deine, für die Liebe! Klar ist auch, dass Regisseur und Drehbuchschreiber zudem in vielerlei Hinsicht grob gepatzt haben. Auf Digicam gedreht, digital geschnitten und das einzige Master soll eine VHS sein; Adult Film Convention in Las Vegas und Niemand stört sich an den drei herumstreifenden Kiddies – nur als Beispiel für noch viel mehr fehlende Logik. Aber, trotz dem Luke Greenfield offensichtlich wirklich nicht der Hellste zu sein scheint, herausgekommen ist ein angenehm fast schon kuschliges Movie, unterhaltend, mit einer Menge Witz & Charme. Elisha Cuthbert (*30.11.’82), gewissermaßen in der Rolle der Teen ‘Pretty Woman’ ist eine Wucht, so süß, nett, naiv. Timothy Olyphant als böser Erotikfilmproduzent Kelly kommt so cool und doch sympathisch rüber. Pornofan, sowie Filmfreak Eli, Chris Marquette, hat’s einfach drauf. Abschließend: Hinsetzen, zurücklehnen, Play drücken. "I will always remember …"

Cinestar Sneak Preview: 20.05.’04
Offizieller Kinostart D: 17.06.’04

 
 

Schliemannstra&szlige

Null Kommentare Archivist • Freitag, 21. Mai 2004 000 Uhr

Aus der Reihe BERLIN_BRUTAL der aktuellen zitty 11/2004

Das Frühlingswetter fordert lautstark von mir, den Lunch heute draußen einzunehmen. Ich rufe beim Italiener an, erteile den Auftrag, eine Lasagne anzufertigen und stürme hinaus auf die Gehsteige. Oh ja, es ist wunderschön. Tief die gute Frühlingsluft einatmen. Hmmm, das riecht nach… nach… nein, lassen wir das. Ich atme ein wenig flacher und versuche, mich mehr auf die optischen Reize des Frühlings zu konzentrieren.
Ja doch, die liebevoll angepflockten Neuanpflanzungen am Straßenrand treiben aus, als gäbe es Preise zu gewinnen. Und wenn man den Kopf oben behält und die Baumkronen fixiert, geraten die stinkenden Häufchen unterschiedlichster Größen, Farben und Verwitterungszustände, die man zu Füßen der Bäumchen ablegen ließ, kaum ins Blickfeld.
Bratsch! Hach, wie dumm von mir. Einige Freunde der feuchten Schnauze lassen auch gerne mitten auf dem Gehweg verrichten. Weiß man doch. Mein Schuh schreit nach Säuberung. Während ich wackelig auf dem linken Bein stehend die braune Ekelmasse mit einem Stöckchen aus der Profilsohle meines rechten Schuhs herauspopele, murmele ich unvorsichtigerweise Vierbeiner-Verwünschungen. Der Punk mit den beiden leinenlosen Rottweilern hat es gehört und bleibt stehen. Kurze Momente der Furcht, aber angesichts meiner Lage packt ihn das Mitleid. Ich komme mit einer schweren Beleidigung davon.
Für die restliche Wegstrecke lasse ich den Frühling Frühling sein und beachte die altbewährten Sicherheitsregeln: Blick stur nach unten aufs Pflaster und alle anderen Reize ausschalten. Obwohl mich das Scannen der Kot-Kunstwerke bisweilen heftig Würgen macht, kann ich einen gewissen Grundappetit aufrechterhalten. Am Ziel verpatze ich dann leider doch noch alles. Ich gewähre einem gepiercten Solarent-Junkie Einblick in mein Unbehagen über das, was sein Hund gerade vor der Restaurantschwelle fallengelassen hat. Als ich wieder zu mir komme, liege ich auf Augenhöhe mit dem Haufen des Anstoßes. Aber der Fausthieb hat meinen Geruchssinn betäubt. Welch ein Glück.
Neben mir steht eine Dame, die auf mein Wiedererwachen gewartet hat. Sie sieht tief in meine noch trüben Augen: “Wat ick ihnen noch saahn wollte, junger Mann: Wer Tiere nich leiden kann”- lange rhetorische Pause – “der kann sich selbst och nich leiden. Denkense ma drüber nach!” – “Haben sie vielleicht Lust auf Lasagne?” ächze ich, aber sie ist schon weg.

© Matthias Sachau

 
 

Fang den Fahraddieb

Null Kommentare Archivist • Montag, 3. Mai 2004 000 Uhr

‘Ne kleine Geschichte. Wann wird’s gewesen sein, schätze irgendwann in den Ferien der siebten Klasse: Ein noch ziemlich neues Mountainbike hatte ich, mein ganzer Stolz, damals gar nicht billig. War immer damit auf Achse, immer, wirklich immer, egal welche Strecke. Den Bus kannte gar nicht mehr, ob zum Ferienjob in der Druckerei oder Zeitungsaustragen, nur mit dem Fahrrad. Hatte es erhalten nachdem das alte aufgrund eines heftigen Unfalls nur noch Schrott war. Eine kleine Geschichte für sich.

In der Stadt war ich unterwegs. Fußgängerzone Ulm. Natürlich schloss ich es ab, jederzeit, aber ich wollte nur ganz kurz. Tja, am Waffengeschäft Ruff hatte ich es angelehnt, schräg gegenüber der Daily Blue, so ein Jeansgeschäft. Dort wollte ich nur mal kurz ins Schaufenster schauen. Ein ungutes Gefühl hatte ich die ganze Zeit. Drehte mich regelmäßig zu meinem Rad um, warum ich es nicht einfach kurz abgeschlossen hatte, nicht nachvollziehbar. Ich gucke und gucke, etwas spiegelt das Schaufenster. Es handelte sich um ein Kettler Alu Rad, mit so Neongrün und -pink. Und das dachte ich bewegt sich. Mmmh, ich dreh mich um, da wo mein Rad abgestellt war.

Weg, es war weg! Es muss sich alles äußerst schnell abgespielt haben: Fassungslos & geschockt lasse ich meinen Blick nach links schweifen, was ein Anblick, da fuhr es, mein Rad, meins! Ich rannte als wenn es um mein Leben ginge, damit wäre mir bei den Bundesjugendspielen eine Ehrenurkunde ganz sicher gewesen. Was spurtete ich. Ob ich dabei schrie, ich weiß es nicht mehr. Jedoch drehte der sich um und trat bei meinem Anblick wild in die Pedale. Oh hatte ich Kräfte, Wahnsinn. Ich holte ihn ein, obwohl er fast freie Fahrt hatte. Von rechts trat ich mit aller Wucht gegen mein schönes Stück. Was mit dem Typ sei, mit total egal. Er schleuderte, das Rad krachte auf die Straße und ich stürzte mich wie besinnungslos auf hin. Auf seinem Brustkorb nahm ich Platz, da war das Judo vor Ewigkeiten nun noch zu was nütze. Dort saß ich in der Fußgängerzone, so viel war nicht los, es war nicht die Hauptverkehrsader, auf ihm, mit meinen Knien hielt ich seine Arme fest. Ja, die Polizei sollte sie rufen, die da von oben aus dem Fenster. Er kramte noch ein paar Spritzen aus seiner Tasche und versuchte sie möglichst weit wegzuwerfen. Dass der sich kaum weiter wehrte, eigentlich war er ‘größer’, ein Russlanddeutscher wie sich später herausstellte, welcher nicht das erste Mal gesetzeswidrig in Erscheinung getreten war.

Die Polizei kam dann und packte ihn ein, sammelte die Spritzen auf. Wie ging’s weiter. Zeugenaussage und so. Auf den Reparaturkosten blieb ich sitzen. Da half mir das Lob der Polizei wenig, dass sie das nicht so oft mitbekommen würden, wie jemand so einen Dieb catcht. Das Ende der Geschichte, schaute Monate später bei der Gerichtsverhandlung vorbei, denn das war nicht das einzige Delikt und gerade deshalb wanderte er ein bisschen hinter Schloss und Riegel.

 
 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Null Kommentare Archivist • Montag, 3. Mai 2004 000 Uhr

Ist das der Gipfel oder wie. Eine Benefizgala im Ersten (sieht man gar nichts), von dem Volk für das Volk. Mitleiderregende Einspieler mit Opfern und “Helden” der Flut, mit die Zuschauer zum Spenden für die Flutopfer animiert werden sollten. Wie definiert man einen Held, Leute, die Sandsäcke schleppen oder ihren Job machen? Bis zu 10 Millionen Euro während der Sendung. Die Härte, ich kannte den vorher noch nicht, Helmut Lotti in seinem Singsang, “wenn er das hört sei er so entsetzt und betroffen”. Blabla, und wieder diese ganze Politikerfraktion, eindeutige Parallelen zum 11. September, diese Betroffenheit, die mitleidigen Reden. Gibt es dafür in Berlin eine Schule, wo man das Grimassenschneiden lernen kann. Auf N24 laufen schon seit Tagen dieselben Beiträge, welche sich stündlich zehnmal wiederholen.

Die Härte war ein Auftritt mit diesem Enya-Song von New-York. Ich konnte es nicht aushalten und habe nur ‘mal dazwischen reingezappt. Damit vergleichen die doch tatsächlich die “Jahrhundertflut” mit dem Terroranschlag letztes Jahr und setzten das gleich. Hammer, Hammer, da fehlen einem die Worte. Es ist ja ehrenhaft, dass Leute und Firmen spenden, Sat.1 haut morgen in dieselbe Kerbe mit Prominenten am Telefon. Unten im Bild laufen die Namen und Beträge der mitteilungsbedürftigen Spendern, hey, schaut her, ich bin ein ganz toller Mensch und ich bin so betroffen und so gut. Vor und nach den Nachrichtensendungen mit emotionaler Musik unterlegte Einspieler, ja, drückt die Tränendrüse. Mir egal! Warum muss man überhaupt spenden, im Hinblick auf die wahnsinnigen Summen, die dem Bürger tagtäglich staatlich abgeknöpft werden. Was machen die Deutschen eigentlich, wenn eine echte Katastrophe passiert oder gar Krieg ausbricht. Wieder wie in Erfurt betroffen dumm aus der Wäsche schauen, blöd herumlabern. Und jeder, aber auch jeder muss sich äußern. Warum man nicht die Klappe hält und einfach reagiert ohne Profilierungszwang. Mir reicht’s, ich kann’s nicht mehr sehen. Es ist das Letzte, das Volk, das Volk, die Masse. Dieser Medienhype, unglaublich, jeder hat um so mehr exklusive Bilder, berichtet noch ein Stück reißerischer. Aber, wie gesagt, alter Kakao neu aufgewärmt, das hatten wir schon Alles vor knapp einem Jahr. Ich bin gespannt, ob und wann die ersten Magazine darüber berichten, wie Gelder veruntreut werden und so.

Ja sicher ist das schrecklich für die Opfer des Hochwassers. Und klar muss man denen helfen. Nur die Art, das wie, das ist wohl menschlich, Schwätzer. Nur weiter so, das Volk liebt das, es wird unterhalten und vom Alltag abgelenkt. Wir sollten regelmäßig solche Ereignisse haben, dann werden die Redaktionen entlastet, die Politiker haben ihre Ruhe und dann, irgendwann stumpft man ab, Katastrophen, wie der Talk-, Reality-, Quiz- und bald der Courtboom, alles hat seine Zeit und jede Zeit geht vorüber.

 
 

Staatsdiener – wessen?

Null Kommentare Archivist • Montag, 3. Mai 2004 000 Uhr

Wie man was einschaltet, jeder steckt ein, was er kann, kassiert ab und macht sich keine Gedanken über den ‘Bürger’. Ideale der Politiker, wie bitte, welche denn. Es ist wirklich egal, welcher Partei die Damen und Herren angehören. Da könnte man sich die Monarchie zurückwünschen, denn mit Demokratie hat die Bürokratie und Politik schon lange nichts mehr zu tun. Dass da nebenher schwarz Geld hin und hergeschoben wird, persönliche Bereicherung stattfindet, was soll’s. Unverschämt genug ist, was regulär auf deren Konten landet. Und wenn es denn dann um Steuererhöhungen oder um Kürzung des Arbeitslosengeld geht, wie witzig, das tangiert die eh nicht. Da kann man groß die Klappe aufreißen. Da werden die Wahlen im September nichts daran ändern. Ein Gerhard, von dem ich ‘mal gerne eine selbst verfasste Rede hören würde, ein Edmund, der der klaren Worte unfähig ist. Stotterdistotter, Hallo und verkrampft bis zum gehtnichtmehr. Da kann man nicht ruhig zuschauen, wie der sich blamiert. Gestern waren Späth und Müller bei Kienzle und Hauser zu sehen, sehr sympathisch. Das ändert aber nichts an dem Rest der Masse. Politikverdrossenheit, woher das wohl kommen mag. Daran ist sicher nicht die Konjunkturflaute, die noch viel mehr lower werden wird, überall werden Arbeitsplätze eingespart, selbst im Staatsdienst, Schuld. Bei irgendwelchen Unfällen oder öffentlichen Tragödien machen sie immer ein äußerst betroffenes Gesicht, jeder hat das Mitteilungsbedürfnis kundzutun, wie man geschockt und fassungslos ist.

Gesetze hier und da, ein schlechtes Gewissen hat scheinbar Niemand oder das wird einem da oben abgewöhnt. ‘Schätze ‘mal in der Politik kommt man nur durch Schleimerei weiter. Jedem nach dem Mund reden, sich mit allen gut stellen. Widerworte nur, wenn es erlaubt ist und es einem selbst nicht schadet. Unbequeme Meinungen nicht erwünscht. Ein Verein von Lügnern und Blendern. Wen haben wir hier, solche rechte Idioten, wie heißt der De#p, Schill, ja, dann Grüne, keinen Deut besser, leere Worte der grünen Politik. Blödsinn, wenn man dann in Fernsehmagazinen sieht, was die sich alles bezahlen lassen, nicht einmal fünf Meter gehen, sondern sich chauffieren lassen. Es ist überhaupt unglaublich, was da abgeht und über sehr vieles weiß der Wähler Bescheid, aber nichts tut er oder er kann nichts tun.

Hin und wieder diese Demonstrationen, friedlich und manchmal nicht, warum. ‘Schlägern sich dann mit der Polizei, die am wenigsten dafür können. Sicher gibt es eine Menge schwarze Schafe und auch ich rege mich schon darüber auf, wenn ich auf ‘ner Parkbank bei mir um die Ecke ‘ne Cola light und ‘n Zigarettchen zu mir nehme und ein Polizei-VW-Bus vor mir hält und der Typ meint ‘ne Personenkontrolle zu machen. Das passiert mir nur dann, wenn ich ‘n Cap aufhabe, sonst nie. Aber gut, es war das erste Mal in zwei Jahren, in München, da kann man die Hosentaschen und Geldbeuteluntersucherei ‘mal ertragen.

Soll jetzt gewählt werden, wen denn, die Liberalen, ‘mal was anderes versuchen, vielleicht. Ändern, das hat nichts mit Pessimismus zu tun, wird sich eh nichts. Blödes Geschwätz, das oft kommt, es ist leider Fakt. Es ist kein schöner Umgang, egal wie man mit dem Staat zu tun hat, seien es die Behörden oder sonst was, der ganze Apparat gehört ausgemi#tet. Nur wenn man geschäftlich mit dem Staat & Co. zu tun hat, dann trifft man auf korrekte Leute. Im Moment geht’s um diese Lufthansabonusmeilen. Lächerlich, na und! Demnächst lesen wir, wie ein Minister erwischt wurde, als er bei Rot über die Ampel ging. Das kann’s nicht sein, was ein kaputtes System, was eine Gesellschaft, was, was, was. Das nur ‘mal so zwischendurch angemerkt.

 
 

London, Calais, … Ulm

Null Kommentare Archivist • Montag, 3. Mai 2004 000 Uhr

London, im Jahre 1998. Nach ein einhalb Jahren sollte es nun wieder zurück in heimatliche Gefilde gehen. London ist halt schon ziemlich teuer, und erst recht wenn man nix tut. Stundenlang im Internetcafe herumsitzen, nicht gerade günstig. Den Flug wollte ich mir sparen, die Alternative, keine Ahnung wie ich auf diese Idee gekommen bin, Trampen. Keine Lust gehabt an diesem Morgen, ab liebsten hätte ich die Aktion direkt abgeblasen. Aber was man sich vornimmt, das muss durchgezogen werden. Also Tschüss, die Tasche umgehängt, leichtes Gepäck und mit der Tube ging’s in der Stadt Richtung einer Schnellstraße nach Dover.

Da stand ich dann zuerst ‘mal. Die Vorbeifahrenden müssen mich nicht für ganz sauber gehalten haben, wenn wundert’s. Ich weiß auch gar nicht mehr, wer mich dann endlich mitgenommen hatte, jedoch ging’s jetzt weiter, bzw. endlich los. Bis zur Fähre nach Calais noch einmal das Fahrzeug gewechselt, und jetzt? Tja, die war nicht umsonst. Viele konnten oder durften einen nicht mitnehmen. Ein französischer Student hatte gar kein Problem und damit war die Überfahrt erledigt. Im Duty Free habe ich mir dann eine Stange Gauloises Legeres geholt, zwei, eine nahm er für mich mit. Auf französischem Boden einmal Passkontrolle. Stehen die Franzosen dort mit dem Gewehr im Anschlag, eindrucksvoll. Und weiter, genau, nein, es liegt schon so lange zurück. Genau wusste ich nicht, wo es lang ging.

Irgendwie Richtung Deutschland, das war die einzige Vorgabe. Wieder stieg ich um, so ein paar Mafiosos in ‘nem fetten Auto nahmen mich mit. Das erinnerte mich an ‘ne Fahrt von Brooklyn ‘rein nach Manhattan, mit ein paar total dichten Kollegen von ‘ner Band. Irgendwann später saß ich noch in einem Auto mit einem total verpeilten Typen, der nur gebrochenes Englisch sprach, furchtbar, mich mitnahm und mich nach einer Irrfahrt wieder dort absetze, wo er mich aufgelesen hatte, das wäre nix geworden, wie daneben. Als es dunkel wurde auf dem Rastplatz hieß es die Zeit herumbringen bis zum Morgen, wo mich dann ein paar Studenten mitnahmen. Einmal holte mich noch die belgische Polizei von der Autobahn, hatte mir wohl die Stelle nicht so schlau ausgesucht. Die fuhren mich in den nächsten Ort und meinten ich solle die Bahn nehmen. ‘Bin dann aber gemütlich wieder zurück Richtung Autobahn gelaufen. Ob es Belgien oder die Niederlanden waren, nach einer schlaflosen Nacht muss ich schon fertig ausgesehen haben, wenigstens nahm mich zeitweise einfach Niemand mehr mit.

So lief ich einfach gut ‘mal einen halben Tag, bis zu einem riesigen Parkplatz oder war es ein Ausflugsziel. Dort kam ich dann zu einer Mitfahrgelegenheit bis kurz vor Düsseldorf irgendwo, wow, Deutschland. Sich nach der Ausfahrt auf die Autobahn zu stellen, nehneh, die deutsche Polizei fand das ebenso wenig dolle. Von der Tankstelle, wo ich gerade herkam und die mich wieder absetzten, ging die Fahrt weiter bis zu einem Autobahnparkplatz vor Stuttgart. Mit ‘nem Münchner dann bis irgendwie nach Ulm, uh, wir waren schon zu weit. Und genervt war der. Irgendwo in der Pampa setzte er mich ab, es war der zweite Tag, es war schon Spätabend, in der Pampa, eine Tankstelle, die geschlossen hatte, nichts ‘drumherum. Wieder so ein Gangstatyp nahm mich mit in die Stadt, nach Ulm, supernett. Von dort zu Fuß Richtung ‘nach Hause’, und man glaubt es kaum, nicht einmal nach einem Drittel hielt einer neben mir und fragte mich, ob er mich mitnehmen könnte. Sonderbare Freundlichkeit, ja klar, dazu wohnte der direkt bei uns um die Ecke, sehr genial. Geschafft. Zwei Tage, null Euro, doch ein zweites Mal bringt man so was nicht. Zuerst in die Küche, leckerlecker.

 
© Archivist  Dich krieg'n'wa auch noch!