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Deutsche Leitkultur II:

Null Kommentare Archivist • Sonntag, 30. September 2001 100 Uhr

17h30 zur U2, Hbf die U5, im Pulk die Treppen hoch, Augustiner, nichts ging, Zelte zu, dahinter lagen schon die kaputten Typen im Dreck. Weiter zur Braeurosl, da sassen sie rechts im Biergarten. Aus der Anstandsmass wurde eine Zweite, dazwischen ‘ne Brezl. Voll war’s wie letztes Jahr schon, normal, rechts von uns knallt gerade ‘n Jungchen total prall auf ‘n Tisch, rappelt sich wieder auf, kann seine Hose kaum noch halten, schwankt weiter. Um 22h ‘rueber in den Schottenhammel, auf die Baenke. Schon zum zweiten Mal fliegt uns diese Tussi in den Ruecken, dass es uns beinahe von den Fuessen fegt. Ein junger Gruenschnabel hatte offensichtlich ein paar Schluck zu viel gehabt und stresste sich mit ‘nem kraeftigen Kerl von gegenueber und der hatte den auf die Tussi geschubst. Nervig, jetzt mussten wir noch die beiden auseinander ziehen bevor die Security auftauchte. Danach schunkeln zu "I will survive", der Depp neben uns gab keine Ruh’, so ein kleines Wuerstchen, voll bis obenhin, der sich jetzt fuer den King hielt – bevor er die Fliege machte packte er noch die Leute von vorhin an, ging jetzt sogar auf uns los. Leider hat er sich dann doch verdrueckt, denn sich mit drei Tischen gleichzeitig anzulegen, da waere er zumindest auf der Intensivstation gelandet. – Zu den Toiletten raus, wat nu’, Tanzen gehen will sie noch, unschluessig sind wir, ‘habe dann noch ‘nen Kumpel zum Hbf begleitet. – Alle sind sie so erschuettert gewesen, wie kann man denn nur jetzt feiern und gerade die schreien jetzt am lautesten auf den Baenken. Unzaehlige zogen ihre Reservierungen zurueck, die Leute gehen jetzt ploetzlich trotzdem. An den Eingaengen diese "stichprobenartige" Handtaschenkontrollen, fuer was, eine wird gecheckt, zehn Maedels laufen durch, pure Schikane und Volksverbloedung. Angst vor Bomben, ha, ein jeder kann genug am Koerper tragen um sie alle in die Luft zu jagen, was will man dagegen tun, nichts. "Rauchen, Saufen, Randalieren …", im Grunde ist es ja so abartig, auf 435T qm findet man sich zusammen um einfach nur zu saufen, um sich zu besaufen. Massenbesaeufnis, super, sind wir toll, ja Wahnsinn. Morgen geht’s weiter, gemaessigt, vielleicht ziehen wir da den 5er Looping vor, spaetestens Mittwoch wird’s nochmal heftig, danach wohl Kunstpark, Donnerstag haben wir uns alle Urlaub genommen. Prost und f#ck "Hey! Baby!"!

 
 

Geh zu Hause Du alte Scheisse

Null Kommentare Archivist • Freitag, 28. September 2001 1952 Uhr

… toent es gegen 18h aus dem Zelt hinter uns. Wiesn-Treff hatten wir ausgemacht, das dauerte, Puenktlichkeit waere auch ‘mal schoen. Die Massen druecken aus dem Portal der U-Bahn Haltestelle der U4/5, ein alter Mann laeuft mit einem Pappschild auf dem Ruecken umher und sammelt Unterschriften fuer irgendein Buergerbegehren. Angenehmes Wetter, ein paar huebsche Maedels in netten Dirndl blicken suchend hervor. – Zwanzig Minuten spaeter: "Ich wusste, dass Du so ‘ne Frese ziehen wuerdest" – Ja, ist es mir denn zu verdenken, zwanzig Minuten mit einem kindischen in Lederhosen gekleideten Bubi, der andauernd "wir sind aber puenktlich und die nicht" von sich gab. Dann sind wir auch auf direktem Weg zur ersten Mass dieses Jahr, ohne reservierte Plaetze auf der Empore: Schuetzen-Festhalle, Reihe 2. Diese Uftahtah-Uftahtah-Musi, "Prosit", nuechtern nicht zu ertragen, runter mit. Zur zweiten Mass ein halbes Hendl, um 19h war unser Grueppchen auch komplett. Ziemlich unkommunikativ dieser Lautpegel, das Loewenbraeu geht runter wie Spuelwasser, ‘war noch nie ein Freund des Bieres, muss halt. Ausschauhaltend beim Streifzug zu den restrooms entdeckte ich meine Kollegen aus der Technik, am 12.10. sind wir zum geselligen Beisammensein verabredet. Etwas smalltalk, spaeter kam eine alte Kollegin vorbei, die bis Donnerstag in NY gewesen war und 15 Minuten vom WTC wohnte. Man versprach sich zu mailen und sie zur Firmenweihnachtsfeier einzuladen. Spaeter wurde es, wir huepften bescheuert auf den Baenken, ein neuer Kollegen krachte nun schon zum zweiten Mal rueckwaerts auf den Nachbartisch und ich bezahlte schon wieder eine Mass, die irgend jemand bestellt haben soll. Die erste 25er Packung war laengst weggeraucht, das Licht geht aus und 10 vor 23h ging’s raus, Treffen vor dem Schiesstand mit dem Rest aus dem Schottenhammel, weiter ging’s in’s Kaefer, die TVM-Andrea hatte ihre Truppe verloren. Flirt hier, Flirt da, und wieder ‘n Kollege von ‘ner anderen Firma, der war schon das vierte Mal dieses Jahr, irre. Kurz vor 1h war unsere Gruppe verstreut, mit ‘ner Freundin ging’s zur U-Bahn, zehn Minuten spaeter waren wir daheim, lecker was kochen. Nein, dann haben wir uns doch nich’ mehr im P1 wiedergesehen, auch die Ally McBeal Party im Pacha haben wir links liegen gelassen. Denn eigentlich sollte man ja arbeiten, dann doch nich’, gegen 9h ‘ne mail geschickt, ‘wuenschte viel Spass beim Schaffe’ – Am WE sieht man sich wieder, diesmal etwas fahren, es ganz ruhig angehen lassen … Verhaeltnismaessig leer war’s schon, ‘mal guck’n wie’s die naechsten Tage aussieht, die Sonne meint’s gut mit uns.

 
 

Die Welt steht still …

Null Kommentare Archivist • Dienstag, 11. September 2001 2250 Uhr

… und dabei ist im Moment auch wirklich jedes Kommentar ueberfluessig, auch dieses! Schaurig kalt lief es einem nachmittags bei den schockierenden CNN Bildern, und denen die folgen wuerden, den Ruecken herunter, ruhig war’s, bestuerzte unglaeubige Mimik, kein Buero in dem der Fernseher ausgeschaltet blieb, kurz davor die IM von Alex: "Das WorldTradeCenter brennt" – Sicher, sicher, so’n Bloedsinn. Vorhin (20h15) und wirklich zufaellig lief auf B3, sonst laeuft die journalistische Maschinerie mit immer reisserischen, anruehrigen, uebertriebenen betroffenen Moderationen (wichtig: In jedem Satz mindestens die drei Superlative: Unglaublichst, Unfassbarst, Unvergleichbarst) sogar ueber 9live und RTL2 (noch ohne Werbung) zur Hochform auf, naja – schade, keine oeffentliche Zusammenfassung und Vorfuehrung des Abschaumes, dem Dreck auf den wir treten, der geballten Dummheit (wo doch Jauch und seine knapp zehn Millionen Zuschauer vor ein paar Tagen noch meinten wir Deutschen waeren gar nicht so), dem Gipfel der Selbstueberschaetzung, in gewisser Weise ganz vieler Sachsen-Paules (‘mal schau’n was das RTL Intranet zukuenftig hergibt) -, eine Episode der Serie New York, New York. In diesen Stunden duerfte auch der groesste pubertaere Grosskotz voruebergehend Bodenhaftung gewonnen haben (Bis auf Playboy51), irgend ein Stern-Artikel, hah – Pipifax. Da ist der (Alt-) S*lemer nicht S*lemer, einer der Masse, sondern einfach nur allein – und ein Mensch hier auf dieser Erde, einem kleinen Planeten im weiten Universum, man lebt, ja, man lebt – noch. Man denkt ‘dran wie man auch schon dort den Aufzug benutzte, da wo jetzt nur Schutt, Asche und Leichen zu finden sind, Basis fuer viel Schmerz und noch mehr Wut. Die Welt, alle sind sie ach so bestuerzt und zeigen sich solidarisch gegenueber dem amerikanischen Volke und dem Praesidenten, ueber den wir uns noch vor kurzer Zeit den Mund (gerechtfertigter Weise) zerrissen haben, wartet gespannt, der Gegenschlag kommt und wir freuen uns ernsthaft auf die Bilder. Und wat nu?
Neben einer langen Nacht heute wird’s schon wieder ruhig um das Ereignis werden, die Zeit bleibt nicht stehen, bald lesen wir wieder, dass der Motorradfahrer den Radfahrer uebersehen hat, zwei Tote, dass zwei Katholiken einen Protestanten in die Luft gesprengt haben, die Israelis und Palaestinenser immer noch PingPong spielen und Trittin duenpfeifend die Toiletten der Schwarzen Zentrale verschmutzt. ODER Niki, es wurde ja oft genug prophezeit: Keine Wiesn; stattdessen 3. Weltkrieg – wollen wir aber ‘mal nicht hoffen, denn mein Kuehlschrank ist leer. Wir haben Geschichte live erlebt – wir werden sehen …

 
© Archivist  Dich krieg'n'wa auch noch!